Die Bedeutung des Lichtes für Rasenflächen
Einleitung
Licht übt neben den Wachstumsfaktoren Wasser
und Nährstoffen einen entscheidenden Einfluss auf das Wuchsverhalten
und die Entwicklung fotosynthetisch aktiver Pflanzen aus. Ohne eine
ausreichende Lichtzufuhr ist kein Stoffaufbau möglich. Das für
Rasenflächen wichtige Regenerationswachstum unterbleibt. Viele
Rasenflächen in Schattenlagen weisen daher sehr geringe
Bodendeckungsgrade und schwach ausgebildete Gräser auf. In den bisher
durchgeführten Untersuchungen zeigen die Gräserarten und teilweise auch
die Sorten deutliche Unterschiede in ihrer Schattentoleranz. Besonders
die Lägerrispe (Poa supina Schrad.) ist in der Lage, auch in stark
beschatteten Bereichen noch akzeptierbar dichte Rasennarben zu
produzieren.
Lichtquantität und Lichtqualität
Qualität und Quantität des Lichtes
haben einen wesentlichen Einfluss auf das Wachstumsverhalten der
Gräser. Entscheidend für die Fotosynthese und damit für den Stoffaufbau
der Gräser sind hierbei die beiden Spektralbereiche im blauen (435 nm)
und roten (660 nm) Licht. Zusätzlich darf die Intensität der Strahlung
einen bestimmten Schwellenwert (Lichtkompensationspunkt) nicht
unterschreiten. Bei Lichtmangel kommt es zu physiologischen Störungen
innerhalb des Stoffwechsels, die zu einem ständigen Stoffabbau führen.
Partieller Lichtmangel ist auf vielen Rasenflächen anzutreffen. In den
Schattenbereichen sind sowohl die Lichtqualität als auch die -quantität
derart modifiziert, dass die Gräser Wachstumsstörungen bis hin zum
Totalausfall aufweisen. Zudem kommt es, je nach Schattenart (Bäume,
Gebäude), zusätzlich zu Verschiebungen innerhalb des Lichtspektrums.
Eine Reihe von Faktoren wie z.B. Breitengrad,
Tageslänge, Witterung bestimmt die Menge der eingestrahlten Energie,
die für die Pflanzen nutzbar ist. Für das Wuchsverhalten von Gräsern
sind dabei die Tageszeit und die Dauer des Lichteinfalls entscheidend.
Dabei liegt der Lichtsättigungspunkt bei den Gräsern Mitteleuropas bei
etwa 20.000 bis 30.000 lux. Höhere Energiemengen werden nicht mehr in
Wachstum umgesetzt. Der Lichtkompensationspunkt, bei dem Stoffaufbau
und -abbau sich die Waage halten, liegt nach bisherigen Untersuchungen
bei ca. 1.000 bis 2.000 lux.
Lichtmangel verursacht bei Pflanzen sehr
unterschiedliche phänotypische Erscheinungen . Hinzu kommt bei
Lichtmangel noch der stärkere Befallsdruck durch das Keimen parasitärer
Pilze sowie die höhere Anfälligkeit der Gräser durch die Ausbildung
schwacher, wässriger Gewebestrukturen.
Bei Lichtmangel:
- sinkender Chlorophyllgehalt, daher schlechtere Lichtausbeute
- schlechterer Grünaspekt
- kleinere Blätter
- dünnere, weicher, wässrige Blätter
- geringeres Wachstum
- geringere Bestockung und Narbendichte
- Aufbrauchen der Reservekohlenhydrate, keine Regenerationskraft
- Ständiger Stoffabbau bis zum Absterben
Gräserbestände im Schatten
Neuere Untersuchungen, die der
Autor beim XXX. Internationalen Rasenkolloquium vorgestellt hat, zeigen
deutliche Unterschiede in der Bestandsentwicklung von beschatteten und
unbeschatteten Rasenflächen. Die Messungen von Beleuchtungsstärke,
Deckungsgrad und Arteninventar belegen, dass es im Schattenbereich von
Laubbäumen allein Poa supina gelingt, bei Lichtstärken unter 1.000 Lux
hohe Flächenanteile einzunehmen. Unterhalb von 250 Lux ist jedoch auch
mit Poa supina kein Rasen mehr möglich. In der unteren Tabelle sind
einige Ergebnisse der Untersuchungen dargestellt.
Tabelle:
Narbendichte und Bestandszusammensetzung auf Rasenflächen mit unterschiedlicher Beleuchtungsintensität:
|
Ort
|
Unbeschatteter Bereich
|
Beschatteter Bereich
|
| |
Lux
|
Arten
|
DG (%)
|
Lux
|
Arten
|
DG (%)
|
|
1
|
7.200
|
42% Lp 13% Pa
24% Fr 3% Ag
18% Pp
|
98
|
280
|
60% Fr
40% Pa
|
15
|
|
2
|
15.200
|
92% Ps
8% Lp
|
100
|
270
|
100% Ps
|
92
|
|
3
|
16.000
|
30% Fr 23% Dc
29% Lp 18% Pp
|
85
|
800
|
71% Fr
25% Dc
4% Lp
|
40
|
Lp = Lolium perenne (Deutsches Weidelgras) Pa = Poa annua (Jährige Rispe)
Pp = Poa pratensis (Wiesenrispe) Ag = Agrostis sp. (Straußgras)
Ps = Poa supina (Lägerrispe) Dc = Deschampsia cespitosa (Rasenschmiele)
Fr = Festuca rubra ssp. (Rotschwingel)
|