Biologische Bekämpfung der Wiesenschnakenlarven
Nach Jahren intensiver Forschung ist sie nun endlich praxisreif: Die biologische Bekämpfung der Larven der Wiesenschnake (Tipula paludosa) mit insektenpathogenen Nematoden.
Europaweit sind die Larven der Wiesenschnake besonders auf Golfanlagen aber auch auf Rasensportplätzen gefürchtete Schädlinge. Bei massenhaftem Auftreten schädigen sie die Gräser durch direkten Fraß. Richtig dramatisch kann es aber werden, wenn Vögel oder gar Wildschweine auf der Suche nach den Larven als Futterquelle die Rasennarbe regelrecht umgraben. Dabei fängt alles harmlos an:
Die Schnaken schlüpfen Anfang August aus den Puppen. Bis Anfang September fliegen die 15 bis 25 mm großen, graubraunen Schnaken mit ihren auffällig langen Beinen teilweise massenhaft über den Rasenflächen. Die Weibchen werden unmittelbar nach dem Schlüpfen begattet und beginnen mit der Eiablage. Nach der ersten Eiablage fliegen die Weibchen davon, um an anderen geeigneten Plätzen Eier abzulegen. Eine Bekämpfung der Schnaken zur Vermeidung von Rasenschäden ist auf Grund dieses Verhaltens weitgehend wirkungslos. Wenn der Flug bemerkt wird, sind die meisten Eier bereits im Boden abgelegt.
Die nach 10 Tagen aus den Eiern schlüpfenden Larven durchlaufen in
Ihrer Entwicklung vier Stadien. Die ersten beiden Larvenstadien L1 und
L2 entwickeln sich von September bis Oktober. Bei Trockenheit halten
sie sich im Boden auf, ansonsten fressen sie vor allem nachts an
oberirdischen Pflanzenteilen. Den größten Schaden verursachen die
Larven des 3. und 4. Larvenstadiums im Frühjahr. Sie halten sich
tagsüber unter der Grasnarbe auf und sind somit auch eine leichte Beute
für Vögel und Säugetiere. Ab Mitte Mai verringert sich die
Fraßtätigkeit der L4 Larven deutlich, bis sie sich schließlich im Juli
verpuppen.
Die L3- und L4 –Larven lassen sich sowohl mit chemischen als auch mit
biologischen Mitteln nur schwer bekämpfen. Auf Flächen mit regelmäßigem
Befall durch Tipula sollte deshalb am besten noch im September bekämpft
werden, wenn noch keine Schäden wahrnehmbar sind.
Hohe Wirkungsgrade (80 %) lassen sich mit dem Nematoden Steinernema
carpocpasae (Produkt: nemastar®) erzielen. Bester Einsatzzeitpunkt ist
2 Wochen nach dem Flughöhepunkt. Voraussetzung ist, dass die
Bodentemperaturen anschließend für ein bis zwei Wochen über 12°C liegen
und eine ausreichende Bodenfeuchte gegeben ist.
Mit nemastar® ist auch eine zuverlässige biologische Bekämpfung von
Erdraupen (Agrotis) und Maulwurfsgrillen (Gryllothalpa gryllothalpa)
möglich.
Neben den bereits seit Jahren bewährten Nematoden-Präparaten
nema-green® (u.a. gegen Larven des Gartenlaubkäfers) und nemaplus®
(u.a. gegen Larven der Gartenhaarmücke) verfügt EUROGREEN nun auch über
eine wirksame biologische Waffe gegen den bedeutendsten Rasenschädling.
Übrigens: Der Einsatz von Nematoden ist in Deutschland genehmigungsfrei.
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